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Verleihung des Hamburger Bürgerpreises 2006 an Rüdiger Nehberg

 

Das war sein bestes Geburtstagsgeschenk: genau zum 72. Geburtstag überreichte ihm Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust im Großen Festsaal des Rathauses vor 500 Gästen den Hamburger Bürgerpreis der CDU. Der mit 2000 Euro dotierte Preis gilt als besonders renommiert. Er wurde Rüdiger Nehberg zusammen mit Annette Weber für ihre Aktionen zur weltweiten Stärkung der Menschenrechte, insbesondere für ihren unermüdlichen Einsatz gegen Weibliche Genitalverstümmelung verliehen. Besonders gewürdigt wurde die Zusammenarbeit mit dem Islam. 


Mit TARGET erzielte er am 23. November 2006 in der Kairoer Al-Azhar, dem geistigen Zentrum des sunnitischen Islam, einen Durchbruch: Höchste islamische Rechtsgelehrte ächteten auf der von TARGET initiierten Konferenz die Weibliche Genitalverstümmelung als strafbares Verbrechen, das gegen höchste Werte des Islam verstößt. Dieser Beschluss unter der Schirmherrschaft des Großmuftis von Ägypten, Prof. Dr. Gom'a, ist in der Religionsgeschichte einmalig. Laudator Prof. Dr. Imeyer, Vorsitzender der unabhängigen Bürgerpreis-Jury: „Das haben noch nicht einmal die UNO oder UNICEF geschafft. Für solche Phänomene bedarf es manchmal der Initiative Einzelner.”

 

„Der Beschluss”, so Nehberg, „muss nun in aller Welt verbreitet werden.” Bereits im August soll er auf einer Konferenz in Mali den höchsten Glaubensführern der 35 Länder, in denen dieser Brauch praktiziert wird, weitergegeben werden. ”Unser Schirmherr hat zugesagt, die Konferenz zu eröffnen und seine Kollegen auf seine Fatwa, das Rechtsgutachten, einzuschwören.”Dann soll jede der Millionen Moscheen in den betroffenen Gebieten ein wertvolles Büchlein in Leder mit der Fatwa und der Auflage bekommen, den Inhalt im Freitagsgebet zu verkünden. „Wenn man bedenkt, dass man mit nur 3 €, die ein Büchlein kostet, die Mädchen eines ganzen Dorfes vor dem schlimmen Schicksal bewahren kann, dann müsste sich auch eine solche utopische Summe zusammen tragen lassen.” 

 

Gerd-Winand Imeyer zur stehenden Ovation, die Nehbergs Plänen Recht zu geben scheint: „Das ist ein Novum in der 25-jährigen Geschichte unseres Preises und zeigt, dass wir mit unserer Wahl die richtige Entscheidung getroffen haben.” Nehberg abschließend: ”Diesen Preis habe ich nicht allein verdient. Ich werde ihn teilen mit den drei Menschen, ohne die der Erfolg niemals möglich geworden wäre. Das sind der Großmufti Prof. Dr. Ali Gom'a, der ägyptische Minister Prof. Dr. Zakzouk und meine Lebenspartnerin Annette Weber. Das mag sich selbstlos anhören, ist aber sehr egoistisch. Weil geteilte Freude dann vierfache Freude ist.”

Wenn die Konferenz von Mali den erhofften Erfolg bringt, will Nehberg den Großmufti für den Friedensnobelpreis vorschlagen lassen. „Sein Mitwirken ist die wichtigste Voraussetzung zur Beendigung des größten ‚Bürgerkrieges’ aller Zeiten, dem täglich 8000 Mädchen zum Opfer fallen.”

 

Foto v.l.: Bernd Reinert, Annette Weber, Rüdiger Nehberg, Dirk Fischer